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Besuch beim DESY

Am Samstag war 'Lange Nacht des Wissens' und Tag der offenen Tür beim DESY. Das heißt, ab 12 konnte man da auf dem Gelände alle möglichen Stationen besuchen, und genau das habe ich dann auch genutzt. Los ging es beim Souvenirstand, wo ich zwar nichts gekauft habe, aber die Empfehlung bekam, mit meinen Fragen aus der Nähe des LHC doch mal bei den Kontrollräumen von CMS und ATLAS vorbeizuschauen, die sich in dem Gebäude weiter hinten finden.

Also bin ich dahingewandert, konnte die erste von drei Nebelkammern bewundern, die mich an dem Tag noch treffen würden, und auch mit jemandem reden, der für die Datensammlung bei CMS zuständig ist. Nachdem der LHC ja gerade so gar nicht läuft, dachte ich, dass den Leuten doch eher langweilig sein müsste, aber die nutzen die Zeit, um ihre Software umzubauen, während beim Experiment an der Hardware gebaut wird (defekte Detektoren repariert oder getauscht, neue (verbesserte) Technik eingebaut. Da habe ich dann auch noch mit einem Wissenschaftler gequatscht, der mir verraten hat, dass das berühmte Boson sich ziemlich exakt an die Vorhersagen aus dem Standardmodell hält. Da gibt es wohl keine neue Physik, die aus den Messwerten scheint. Dafür hat CMS das Higgs inzwischen mit 10 Sigma Relevanz gemessen, ist sich also sehr sicher, dass die Messwerte wirklich von einem Teilchen stammen. Nachdem es in der Ecke nicht danach aussieht, als gäbe es Ansätze für neue Physik, haben wir dann darüber philosophiert, wo sich denn die restlichen 95 Prozent der Masse des Universums verstecken könnten. Sein Tipp war ein supersymmetrisches Teilchen, was bestimmte Eigenschaften aufweist (keine Interaktionen außer schwacher Wechselwirkung und Gravitaion, Masse irgendwo jenseits der bisher ausführlich erforschten Gebiete). Der Haken an Supersymmetrie ist ja nur, dass noch keins der damit vorhergesagten Teilchen in den Detektoren aufgetaucht ist.

Spannendes Nebenbei: CMS fährt für die Experiment-Daten eine Netzbandbreite von bummelig 2,75 Gib (Gigabit?) pro Sekunde, ließ sich im Kontrollraum auf einem Beamer beobachten.

Danach bin ich ein Stockwerkt tiefer, einen Gebäudeteil weiter zur Konkurrenz von ATLAS gewandert, wo ich kein längliches Gespräch hatte. Dafür haben die auf den Fakt hingewiesen, dass die bekannte Materie gerade mal fünf Prozent der MAsse des Universums ausmacht, Antworten auf die Frage, was denn der Rest sein könnte, habe ich aber nicht aus den Vertretern rauskitzeln können.

Auf der Tour ging es weiter mit einer Halle zu Magnetismus, Infos zu Linearbeschleunigern (wo ich dann auch die Frage loswerden konnte, was an Linearbeschleunigern so cool ist, die können da ohne störende Energieverluste Elektronen beschleunigen und relativ saubere Kollisionen bekommen, um unter anderem das Higgs genauer beobachten zu können). Außerdem hatte sich da noch ein Grill versteckt, wo es zu vertretbaren Preisen was zu essen gab. Dann gab es noch eine Halle mit Kryo-Technologie, eine Halle mit Lasern (aber ohne "Don't look into Laser beam with remaining eye"-Schild, ich bin enttäuscht), und danach die riesige Synchrotron-Experiment-Halle. In der wird mit harter Röntgenstrahlung experimentiert, für die extra Elektronen auf einen Zickzack-Kurs geschickt werden. Da gab es jede Menge zu sehen und auch anzufassen. Mir wurde es da allerdings langsam etwas spät, wobei ich vom Sonnenuntergang dank Beleuchtung nicht viel mitbekommen habe.

Wieder draußen bin ich noch an einer Ecke vorbeigekommen, wo man als Laie einen Kran bedienen konnte, und habe mich langsam (so 17:45) Richtung Ausgang orientiert. Da gab es dann noch die wenig überraschende Feststellung, dass Unmengen an Leuten mit dem Bus zur S-Bahn fahren wollten, was mich dann dazu motiviert hat, den Weg doch mal zu Fuß zu versuchen. Ich war zwar eine Weile unterwegs, bin aber letztlich doch dank ausführlicher Straßenbeleuchtung sicher angekommen. Wenn in rund zwei Jahren das nächste Mal da geöffnet ist, will ich jedenfalls wieder hin, das war zu interessant um es nicht zu wiederholen.

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