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Lokpfeifen

Ich bin ja für gute Bezahlung für gute Arbeit. Manchmal braucht es auch Gewerkschaften, wenn das durchgesetzt werden soll. So hat mich das anfangs nicht sehr gewundert, als die Gewerkschaft der Lokführer in Tarifverhandlungen mit der Bahn mit einer absurd hohen Forderung ging (5 Prozent mehr Geld, und gegen Überstunden eine Senkung der Regelarbeitszeit). Noch nie ist bei Verhandlungen im Ergebnis die Forderung einer Seite rausgekommen.

Weniger erfreulich wurde es, als vor einigen Wochen die GdL mit Warnstreiks ihre Forderungen untermauert hat. Angekündigt hat die Gewerkschaft, dass die Güterbahnen stehen bleiben sollten. Warum auch die hiesigen S-Bahnen plötzlich Güterbahnen sein sollten, und warum die Streiker mit Zügen im Linienweg rumstanden, und so ganze Bahnlinien komplett lahmgelegt haben, habe ich nicht verstanden.

Noch unerfreulicher wurde es vor zwei Wochen, als die GdL über Nacht alle Züge stehen ließ, und letzte Woche, als von Mittwoch 14 Uhr bis Donnerstag 4 Uhr nichts fahren sollte. Immerhin haben die dabei keine Blockaden gebastelt, so dass wenigstens ein reduzierter Bahnverkehr auf den S-Bahnen fahren konnte.

Als die GdL Freitag früh vermeldet hat, von Freitag 15 Uhr im Güterverkehr (diesmal meinte das nicht auch noch die S-Bahn) und von Samstag 2 Uhr im gesamten Verkehr streiken zu wollen, wurde es aber schon wirklich dreist. Zwar haben die Lokpfeifen nicht schon wieder den gesamten Berufsverkehr lahmgelegt (das kostet Leute ernsthaftes Geld und Lebenszeit), aber den Bundesländern mit Ferienanfang oder -ende ist ganz klar nicht geholfen.

Wirklich dreist wird der ganze Kram, wenn man mitbekommt, worum es bei den Streiks geht. Anders als das öffentlich geäußerte Gefasel der Gewerkschafter dreht sich deren Erregung nicht darum, dass die Bahn die konkreten Zahlen absurd findet, sondern es geht nur darum, dass die GdL meint, auch für andere Gewerke als Lokführer verhandeln zu können, was die Bahn (und die ebenfalls im Bahnbereich tätige Eisenbahner-Gewerkschaft) bestreiten. Und anstatt sich auf das Angebot einzulassen, doch mal unaufgeregt zu ermitteln, welche Gewerkschaft in welchem Bereich wie viele Mitglieder hat, fällt die GdL mit ihren Streiks immer weiter den Nutzern der Bahn in den Rücken.

Lustiges Nebenbei: Wenn es stimmt, was ich an Zahlen gehört habe, hätte die GdL in der Summe aller Bahn-Gewerke bis auf eins tatsächlich 50%. Das eine Gewerk einfach unter den Teppich kehren, und überhaupt nur mit Gesamtzahl aller Beschäftigter und dem Anteil daran zu argumentieren, ist reichlich unseriös, wenn ihr mich fragt.

Aber, wenn die Regier tatsächlich ein Gesetz schnitzt, mit dem Kleingewerkschaften das Streikrecht abgenommen werden soll, dann heult die GdL garantiert wieder rum. Warum bestreikt die GdL nicht eigentlich nur ihre Konkurrenz-Gewerkschaft? Wie, für die erbringt ihr ohnehin keine Leistungen? Und warum nehmt ihr dann alle Bahnnutzer als Geiseln? Ich verspüre ja mit jedem Streiktag mehr das Bedürfnis, GdL-Vertreter aufzusuchen und körperlich zu züchtigen. Gut, dass mir bis jetzt keiner von denen begegnet ist.

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